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Kategorie "Hilfe zur Selbsthilfe"

Sonderpreis 2012
Gisela Eichfelder (Alzenau): Oberlicht e. V. – Gründung eines Vereins für gemeindenahe Psychiatrie
Bereits seit mehr als elf Jahren engagiert sich Psychiaterin Gisela Eichfelder mit dem Verein Oberlicht e. V. für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen in der Region. Im Fokus steht dabei neben der medizinischen Begleitung die Einbindung der Betroffenen in den gesellschaftlichen Kontext. Denn oft führen Angst und Depression der Erkrankten zu Einsamkeit und Minderwertigkeitsgefühlen.
Mit vielen Veranstaltungsangeboten, der Organisation von Selbsthilfegruppen und Informationsabenden zu den Themen Depression oder Stressbewältigung bietet Oberlicht e. V. nicht nur Hilfe für psychisch Kranke, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung psychischer und psychiatrischer Erkrankungen.

Dr. Hildgund Berneburg, RVB der KVB für Unterfranken und Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Fachärztin für Anästhesiologie aus Würzburg, zur Sonderpreisträgerin:
"Ich habe Frau Eichfelder 1993 als Stationsärztin in der Psychiatrie des Bezirkskrankenhauses Werneck kennengelernt. Sie war damals schon eine Kollegin mit Empathie, persönlichem Engagement für die psychisch Erkrankten und einer Klarheit, die den Patientinnen und Patienten Stabilität und Sicherheit gaben. Ihren Patientinnen und Patienten im betreuten Wohnen ließ sie mit ihrer Kompetenz ein angemessenes Maß an Freiheit im Zusammenspiel mit notwendiger Kontrolle. Am späteren Aufbau der psychiatrischen Tagesklinik des Bezirkskrankenhauses Werneck beteiligte sie sich mit großem Erfolg.
Ihr Konzept: mit Respekt und angemessener Nähe die Patientinnen und Patienten zu begleiten, damit sie ein Gefühl entwickeln, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. In ihrer eigenen Praxis führte Kollegin Eichfelder ihr Konzept weiter, psychisch Kranke zu integrieren, ihnen Halt zu geben, damit sie lernen, sich mit ihren eigenen Ressourcen auseinanderzusetzen. Sie wünschte sich, dass ihre Patienten eigene Wege finden und entwickeln.
Frau Dr. Eichfelder hat schon früh begriffen, dass es eine notwendige Arbeit ist, psychisch Kranke nicht auszuschließen, sondern sie einzubinden und nicht als Außenseiter zu behandeln. Sie bewirkt so mit ihrer integrativen Behandlung eine Entstigmatisierung in der Bevölkerung. Ich möchte sie als moderne Integrationsfigur psychisch Kranker bezeichnen. Ich begrüße mit Anerkennung und großem Respekt ihre Leistung."

Auch Dr. Christian Pfeiffer, ebenfalls RVB der KVB für Unterfranken und Hausarzt aus Giebelstadt, kommentierte die Vergabe des Sonderpreises an Gisela Eichfelder für Oberlicht e. V.:
"Bereits 2010 ging der Bayerische Gesundheitspreis nach Unterfranken. Und ich freue mich, dass auch in diesem Jahr wieder ein unterfränkisches Projekt unter den Nominierten ist. Dass sich die Kolleginnen und Kollegen neben ihrer anstrengenden Praxistätigkeit noch Zeit für ein solches Engagement nehmen, finde ich bewundernswert."

Quelle:http://www.bayerischer-gesundheitspreis.de/

 

2012

Den Teufelskreis der Depression durchbrechen

 

Oberlicht Geldübergabe

Emotionale Diskussion über Psychiatrie

Michelbach:

Mit so großem Interesse hatte der Verein


Gesundheit: Ärzte, Politiker und Betroffene debattieren im Michelbacher Schlösschen – Zu wenige Fachärzte

Michelbach:
Mit so großem Interesse hatte der Verein Oberlicht als Veranstalter der Podiumsdiskussion zur Zukunft der psychiatrischen Versorgung in der Region nicht gerechnet. Zu den 80 Stühlen, die im Michelbacher Schlösschen am Mittwochabend vorgesehen waren, mussten noch 30 gestellt werden. Das Thema brennt unter den Nägeln, wie die emotionale Debatte belegte.
Zunächst waren aber die Experten auf dem Podium dran: der leitende Arzt der Klinik am Rosensee Aschaffenburg, Kevin Streblow, der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Lohr, Dominikus Bönsch, die von Depressionen betroffene Carmen Sebastian (Vorstandsmitglied bei Oberlicht), die CSU-Landtagsabgeordnete Judith Gerlach und der niedergelassene Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Platzek. Die Alzenauer Psychiaterin Gisela Eichfelder, die den Verein Oberlicht für gemeindenahe Psychiatrie initiiert hatte, moderierte den Abend.
Spätestens als Carmen Sebastian von ihrer psychischen Erkrankung erzählte, war der Abend auf einer emotionalen Ebene angelangt.
»Ich wäre damals froh und glücklich gewesen, bei einem Facharzt schnell einen Termin zu bekommen«, berichtet sie rückblickend. Doch sowohl schnelle Termine als auch Fachärzte sind nach wie vor Mangelware.
Vergebliche Nachfolgersuche
Die 63-jährige Gisela Eichfelder, seit 16 Jahren niedergelassene Psychiaterin in Alzenau, geht in drei Jahren in den Ruhestand. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.
Der Druck steige, »das Budget ist knapp, ich arbeite 60 Stunden in der Woche, aber ich verdiene nicht mehr«, erläuterte sie die Probleme, mit denen auch ein Nachfolger konfrontiert wäre. Viele Zuhörer mit psychischen Krankheiten berichten von ihren langen Leidenswegen, teilweise wird es auch laut.»Die Menschen haben Furcht, dass die psychiatrische Versorgung zusammenbricht«, fasst eine Besucherin ihre Sicht der Dinge zusammen und schlägt vor: »Es muss eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung geben.«
Neubau mit 50 Betten
Dominikus Bönsch weist auf den Neubau einer Psychiatrie am Klinikum mit 50 Betten hin (wir berichteten). Voraussichtlicher Spatenstich soll 2015 sein. Die Klinik am Rosensee verfüge über acht Betten im vollstationären Bereich. Die maximale Behandlungszeit betrage zehn Tage. Waren es im Jahr 2004 684 Patienten, so seien es 2013 bereits 3285.
Helmut Winter (CSU) aus Karlstein, der dem Krankenhauszweckverband angehört, verweist auf eine psychosomatische Abteilung mit 40 Betten in Alzenau, auf die im Zuge der Fusion des Kreiskrankenhauses Wasserlos und des Klinikums Aschaffenburg Hoffnung gemacht worden sei. Winter appellierte an die Landtagsabgeordnete Gerlach: »Unterstützen Sie diese Idee, in Alzenau-Wasserlos psychosomatische Betten zu installieren.«
Die Politikerin hatte an diesem Abend viel gelernt: »Es reicht nicht, wenn der Freistaat Bayern Geld zur Verfügung stellt. Wir brauchen auch Nachwuchs.« Denn »welche Wege zum Facharzt sind dem Kranken zuzumuten?«, fragte Reinhard Platzek zu Recht zum Abschluss, wenn er und seine Kollegin in wenigen Jahren in Ruhestand gehen.
Eichfelder zog nach der zweieinhalbstündigen Diskussion ein zufriedenes Fazit. »Wir haben uns heute ausgetauscht. Das ist Psychiatrie. Da wird nicht die Pille in den Mund gedrückt, sondern erst mal gefragt: Was ist denn los mit dir?« Doris Huhn